5 Fragen an Dr. Hermann Scheer, MdB

von duwählst.de am 25.08.2009

1. Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Abgeordneter des Bundestagswahlkreises Waiblingen in Baden-Württemberg. Ich war und bin außerdem tätig als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und wissenschaftlicher Publizist. In meiner Partei, der SPD, bin ich Mitglied des Bundesvorstandes. Im Ehrenamt bekleide ich das Amt des Präsidenten von Eurosolar, der europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien. Darüber hinaus bin ich Vorsitzender des Weltrates für erneuerbare Energien (WCRE). Ich bin verheiratet und habe eine Tochter.

2. Wofür setzen Sie sich besonders ein?

Der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien und damit die Umstellung unserer gesamten Energieversorgung auf nachhaltige, prinzipiell unerschöpfliche und lokale Energiequellen ist seit vielen Jahren einer meiner Tätigkeitsschwerpunkte. Ich war Mitinitiator des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das zu einem Boom der erneuerbaren Energien geführt hat. Alleine diesem Gesetz ist die Schaffung und Sicherung von über 170.000 Arbeitsplätzen zuzurechnen. In der gesamten Branche der erneuerbaren Energien sind inzwischen rund 280.000 Arbeitsplätze zu verzeichnen. Nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass wir mit jeder Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energien auch unabhängiger von teuren Öl- und anderen Energieimporten werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung lag im Jahr 2007 bei 14 Prozent und wird Ende diesen Jahres voraussichtlich zwischen 18 und 19 Prozent erreichen.

In der noch laufenden Legislaturperiode habe ich mich außerdem massiv gegen die Privatisierung der Bahn engagiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bahn eine Infrastruktureinrichtung sein muss, die aus ökologischen und ökonomischen Gründen allen Bürgern bezahlbare Mobilität anbietet. Das kann sie nicht, wenn sie ausschließlich nach Renditegesichtspunkten betrieben wird, die von der Gier des Aktienmarktes diktiert werden.

Da die Stadt Winnenden in meinem Wahlkreis liegt, habe ich mich infolge des Amoklaufs für eine Verschärfung des Waffenrechts eingesetzt. Ich trete ein für ein Verbot von Großkaliberwaffen im Schießsport und das Verbot der privaten Waffenaufbewahrung. Diese beiden Punkte müssen in der nächsten Legislaturperiode des Bundestages noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Meine Statements zum Waffenrecht und anderen Themen lassen sich auf www.hermannscheer.de abrufen.

3. Warum Ihre Partei zur Bundestagswahl 2009 wählen?

Diese Frage lässt sich am Besten in Abgrenzung zu den anderen Parteien beantworten: Die SPD bekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft und gegen den von der FDP vertretenen Neoliberalismus. Wir Sozialdemokraten stehen außerdem für die Abschaltung der Atomkraftwerke und eine ökologische Energiewende, lassen dabei, im Gegensatz zu den Grünen, aber nie die sozialen Folgewirkungen außer Acht. Wir treten ein für ein stabiles soziales Netz machen aber im Gegensatz zur Linkspartei keine unbezahlbaren Versprechungen. Von CDU und CSU unterscheidet uns vieles, vor allem aber, dass wir im Wahlkampf Position beziehen und sagen was wir vorhaben anstatt uns, so wie Angela Merkel, vor der Auseinandersetzung zu drücken. Kurz gesagt: Wer SPD wählt, bekommt sicher keine perfekte Partei, aber eine, die Sozialstaat, Ökologie und Ökonomie besser als alle anderen unter einen Hut bekommt.

4. Welchen Stellenwert hat das Internet in diesem Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009?

Eine Forsa-Umfrage hat kürzlich ergeben, dass die wichtigste Informationsquelle für politische Themen in der Gesamtbevölkerung das Fernsehen ist (83 Prozent), das Internet liegt mit 45 Prozent auf Platz fünf. Ganz anders sieht es bei jungen Wählerinnen und Wählern zwischen 18 und 29 Jahren aus. Hier ist das Internet die wichtigste politische Informationsquelle (77 Prozent) und erst dann folgt das Fernsehen (61 Prozent). Das bedeutet: der Stellenwert des Internet im Wahlkampf ist auch eine Generationenfrage. Obwohl ich nicht mehr zur sogenannten Internetgeneration gehöre, lege ich großen Wert darauf alle meine Inhalte möglichst umfassend auf meiner Homepage www.hermannscheer.de darzustellen.

Es gibt allerdings auch Dienste, welche ich für die politische Kommunikation für ungeeignet halte. Dazu gehört zum Beispiel twitter. Politische Inhalte kann man nicht seriös darstellen, wenn man auf 140 Zeichen beschränkt wird.

5. Ihr Schlussstatement an die Mitglieder von duwählst.de?

Die jüngsten Proteste im Iran haben gezeigt, wie sehr die Menschen dort nach Demokratie hungern. Sie würden viel dafür geben – und manchen haben ihre Gesundheit und ihr Leben dafür geopfert – wenn sie an freien und fairen Wahlen teilnehmen dürften. Hier in Deutschland haben wir solche Wahlen, niemand muss dafür protestieren und niemand sich in Gefahr dafür begeben. Alles, was man tun muss, ist daran teilzunehmen. Jeder der das tut, bekennt sich damit zur Demokratie und setzt auch ein Zeichen gegen Diktaturen wie den Iran und andere. Ich hoffe deshalb, dass möglichst viele Menschen sich an den Bundestagswahlen beteiligen.

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